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Terminkalender

Musikvereinskultur im Zeichen bürgerlichen Aufbruchs?

20.03.2018 (19:30 - 21:00)

Kurs-Nr.: 20103
Dozent*in: Prof. Dr. Joachim Kremer
Ort: Staatsarchiv Wertheim, Bronnbach
Kosten: entgeltfrei

Die Wertheimer „Liedertafel“ zwischen 1825 und 1844

Die tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Umbrüche zu Beginn des 19. Jahr- hunderts bewirkten, dass sich auch die Träger der musikalischen Kultur neu formierten. Als Ausdruck „inkludierender Solidaritätsformen auf der Grundlage eines neuen Ideals staatsbürgerlicher Gleichheit“ (Jürgen Osterhammel 2009) kann das Vereinswesen gelten. Schon 1825 wurde in Wertheim die Liedertafel „zur Beförderung und Uebung des deutschen Gesanges“ gegründet. Trotz einer Periode wirtschaftlichen Missstandes und Auswanderungen nach Übersee (so Erich Langguth 2004) avancierte dieser älteste Männergesangsverein des Badischen Sängerbunds zu einer festen Größe der Musikkul- tur. Mit der Ausrichtung eines „großen Liederfestes“ im Jahre 1844 - zu dem über 600 Gäste aus ganz Deutschland anreisten - wurde Wertheim für eine kurze Zeit zu einem überregionalem Zentrum für den musikalischen Austausch. Ausgehend von bisher nicht gesichteten Dokumenten zur Wertheimer Stadtgeschichte aus dem Stadtarchiv Wert- heim umreißen Joachim Kremer und Frithjof Vollmer patriotische Tendenzen, das musi- kalische Programm sowie Herkunft und Status der Gäste des Musikfestes 1844, um der Frage einer bürgerlichen Identität in Wertheim dieser Zeit näherzukommen.

Prof. Dr. Joachim Kremer studierte in Lübeck (Musikerziehung/Schulmusik) und Kiel (Musikwissenschaft, Philosophie, Kunstgeschichte). Nach der Promotion 1993 (Kiel) und der Habilitation 2001 (Musikhochschule Hannover), ist er seit 2001 Professor für Musik- wissenschaft an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HMDK) Stuttgart. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Musik des 15.-20. Jahrhunderts, vor allem unter sozial-, berufs- und regionalgeschichtlichen Fragestellungen.

Frithjof Vollmer wuchs in Weimar/Thüringen auf, studierte Kontrabass an der HMDK Stuttgart und an der University of Oregon. Seit Oktober 2016 studiert er Musikwissen- schaft an der HMDK Stuttgart, Philosophie und Politikwissenschaften an der Universität Stuttgart sowie Master Kontrabass (ebenfalls HMDK Stuttgart). Er ist Preisträger und Finalist nationaler und internationaler Wettbewerbe für Kontrabass und seit 2013 Stipen- diat der Friedrich-Ebert-Stiftung.

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